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Die diesjährige Delegiertenversammlung im Hotel Kreuz in Bern begann nach der Begrüssung durch Zentralpräsidentin Brigitte Scholl mit einer Podiumsdiskussion - ein Novum für eine DV. Das Podium, mit Kurt Hess vom Schweizer Musikrat, Beat Zemp vom Schweizerischen Lehrerverband LCH, Rolf Zimmermann vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund und Lorris Sevhonkian brillant besetzt, erörterte Fragen zur arbeitsrechtlichen Situation von Musiklehrpersonen, wobei Lorris Sevhonkian in einem eröffnenden Referat insbesondere auf die Situation im Kanton Waadt einging. Einen weiteren thematischen Schwerpunkt bildete die Initiative «Jugend und Musik», über deren Perspektiven Kurt Hess, sowie Brigitte Scholl referierten. Es herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass die Initiative trotz ungewissen Ausgangs an der Urne einen enormen Beitrag zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit im Bereich Musikunterricht und -bildung leisten kann. Ihr recht offener Wortlaut ist eher als Stärke zu sehen, welche möglicherweise zu einem chancenreicheren Gegenvorschlag durch Bundesrat und Parlament führen könnte. Die anschliessende Diskussion war lebhaft und zeugte von der Aktualität der diskutierten Themen.
Zukunft der Berufsausbildung
Erwartungsgemäss bildete die Frage nach der Zukunft der Berufsausbildung den eigentlichen inhaltlichen Brennpunkt der diesjährigen Delegiertenversammlung. Die Ausgangslage: Nach der Rückgabe des Mandates der SAMP zur Gründung einer Fachhochschule an den SMPV beschloss der Zentralvorstand im Sinne einer Standortbestimmung, die Delegierten über die drei aus seiner und der Sicht der SAMP möglichen Optionen Stellung nehmen und abstimmen zu lassen. Es sind dies die Optionen (1) die derzeitigen Studiengänge auslaufen zu lassen und in Zukunft ersatzlos zu streichen, (2) das Fachhochschulprojekt neu zu lancieren oder (3) die derzeitigen Berufsstudiengänge unter momentanem Verzicht auf eine staatliche Anerkennung der erlangten Abschlüsse fortzuführen. Der Zentralverband beantragte seinerseits der Versammlung, Variante drei gutzuheissen. Dass ungeachtet der offenen Frage der staatlichen Anerkennung der SAMP-Studiengänge das Interesse an der Berufsausbildung ungebrochen gross ist, erläuterte der Leiter des Studiensekretariats der SAMP Markus Barth in seinem Referat. Ob die Weiterführung der Studiengänge ohne absehbare Aussicht auf staatliche Anerkennung sinnvoll, bzw. gar zu verantworten ist, wurde im Anschluss kontrovers diskutiert. Rangit Shorter (Sektion Zentralschweiz) führte in seinem Votum Argumente gegen die Weiterführung aus, wie etwa die aus seiner Sicht nicht wünschbare Ausbildung einer zusätzlichen Konkurrenz auf dem ohnehin schwierigen Arbeitsmarkt, und stellte entsprechend den Antrag, auf die Berufsausbildung in Zukunft vollständig zu verzichten. In Ergänzung zum Antrag des Zentralvorstandes, die Studiengänge auch ohne staatliche Anerkennung weiterzuführen, regte Marianne Wälchli (Förderkreis der privaten musikalischen Berufsausbildung in der Schweiz) in ihrem Votum an, dem Förderkreis ein weiteres Jahr Gelegenheit zu geben, die Finanzierung des Fachhochschulprojektes zu sichern, sodass in einem Jahr über eine allfällige Realisierung dieser Option nochmals entschieden werden kann. Der Antrag Wälchli wurde schliesslich von der Delegiertenversammlung mit deutlichem Mehr gutgeheissen, so dass die Option «Fachhochschule» zumindest für ein weiteres Jahr im Raum stehen bleibt. Die Versammlung genehmigte ausserdem den statuarisch vorgesehenen Sockelbeitrag des SMPV an die Studiengänge der SAMP.
Beitritt des SMPV zum Schweizerischen Lehrerverband LCH
Der Zentralvorstand beantragte der Versammlung den kollektiven Beitritt des SMPV zum Schweizer Lehrerverband LCH, dies vor dem Hintergrund, dass die Qualität des Musikunterrichtes in der Volksschule unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeitsmöglichkeiten und -bedingungen im musikalischen Individualunterricht hat. Es wäre daher wünschenswert, dass der SMPV sich in Vernehmlassungsverfahren zu Lehrplänen der Schulmusik einbringen könnte. Durch einen kollektiven Beitritt des SMPV zum Schweizerischen Lehrerverband LCH würde der SMPV die Möglichkeit erhalten, seine Anliegen in die Schweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz EDK einzubringen. Obwohl der LCH nur die Deutschschweizer Lehrkräfte umfasst, ist durch die enge Zusammenarbeit des LCH mit dem SER - dem entsprechenden Verband in der Romandie - und durch Kontaktpersonen die Interessensvertretung der Romandie gewährleistet. LCH-Zentralpräsident Beat Zemp stellte den Verband kurz vor. Die Delegiertenversammlung beschloss daraufhin den Beitritt zum LCH. Dieser kann auf Sommer 2009 erfolgen, bedarf aber noch der formellen Genehmigung durch die entsprechenden Gremien des LCH.
Wahl in den Zentralvorstand
Durch die Demission von Eva Schlegel und Claude Delley wurden im Zentralvorstand zwei Sitze vakant. Der Zentralvorstand verabschiedete die anwesende Eva Schlegel und würdigte ihren grossen Einsatz im Bereich der Gewerkschaftsarbeit. Die Versammlung wählte darauf Dafne Ghisalberti, Vizepräsidentin der Sektion Zentralschweiz, einstimmig in den ZV. Ein weiterer Sitz bleibt mangels Kandidaturen bis auf weiteres vakant.
Unveränderter Mitgliederbeitrag 2010
Obschon ursprünglich eine Erhöhung des Zentralverbands-Mitgliederbeitrages um 10 Fr. je Mitglied per 2010 vorgesehen war, verzichtete der ZV darauf, der DV die Erhöhung zu beantragen. Zum einen klärt der ZV derzeit die Möglichkeit der Auslagerung gewisser Teilbereiche ab, sah sich aber ausserstande, der DV 2009 dazu bereits eine spruchfertige Vorlage zu präsentieren. Zum anderen hat auch die aktuelle Wirtschaftskrise mit ihren schwer absehbaren Folgen für die Mitglieder den ZV bewogen, von einer Erhöhung der Beiträge per 2010 abzusehen.
Die Delegiertenversammlung hat ausserdem:
-den Sitz der Hilfskasse neu als identisch mit dem Sitz des SMPV definiert (früher: Kanton Baselland)
-die Kompetenzen der Präsidialkonferenz im Sinne einer Aufwertung angepasst: Die Präsidialkonferenz kann neu Anträge an die Delegiertenversammlung richten. Sie kann ausserdem dem Zentralvorstand Aufträge erteilen, sofern diese dessen statuarische Kompetenzen nicht beschneiden.
-das Datum der nächsten DV auf den 27. März 2010 festgelegt.
-bt.